Berufsordnung

Die Berufsordnung des Tierphysiotherapeuten:

Grundsätze des beruflichen Selbstverständnisses

§ 1 Berufsausübung

Die Schwerpunkte tierphysiotherapeutischer Arbeit sind die Krankengymnastik / Bewegungstherapie und Maßnahmen der Physikalischen Therapie (z. B. Massage-, Thermo-, Elektro-, Hydro- Ultraschall-, Balneo- oder Inhalationstherapie).
Der Tierphysiotherapeut beeinflusst mit seiner Behandlung die Funktionen des Bewegungssystems und der inneren Organe, die Bewegungsentwicklung und Bewegungskontrolle sowie das Verhalten und Erleben des Tieres.
Die Tierphysiotherapie soll Funktionsstörungen abbauen oder kompensieren und Sekundärschäden vorbeugen. Ziel ist die vollständige Genesung oder eine verbesserte Lebensqualität des kranken bzw. verunfallten Tieres. Weiterhin wird die Tierphysiotherapie unter der Bezeichnung Sport-Tierphysiotherapie in der Sportmedizin eingesetzt.
Der Tierphysiotherapeut untersucht die individuelle Ausprägung der funktionellen Auffälligkeiten und interpretiert ihre Wertigkeit. Auf dieser Grundlage plant der Tierphysiotherapeut den Behandlungsverlauf in Absprache mit dem Tierhalter.
Untersuchungsergebnisse, Behandlungsplan und -verlauf sowie die Behandlungsergebnisse werden vom Tierphysiotherapeuten dokumentiert. Diese Dokumentation dient der Therapiesteuerung, der Erfolgskontrolle, der Qualitätssicherung sowie der Information des Tierarztes und anderer an der Behandlung / Betreuung Beteiligter.
In der Prävention vermittelt der Tierphysiotherapeut Einsicht in die Funktionszusammenhänge des Organismus, Kenntnisse über gesundheitsgefährdende Einflüsse und Verhaltensweisen und Programme zu gesundheitsbewusstem Umgangsverhalten mit dem Tier. Tierphysiotherapeutische Prävention fördert darüber hinaus die Selbstregulation und aktiviert die Selbstheilungskräfte des Organismus.
Der Tierschutz ist gemäß Art. 74 Abs. 1 Nr. 20 GG ein Rechtsbereich der konkurrierenden Gesetzgebung in der Bundesrepublik Deutschland. Der Tierphysiotherapeut achtet die sich aus dem im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland manifestierten dem Tierschutz ergebenden Pflichten und fördert durch seine Arbeit das öffentliche Bewusstsein für artgerechte und tierschutzkonforme Tierhaltung. Der Tierphysiotherapeut befolgt keine Anweisungen, die sich nicht mit seinen Berufsaufgaben und seinem beruflichen Selbstverständnis im Sinne dieser Berufsordnung vereinbaren lassen.
Der Tierphysiotherapeut verpflichtet sich, seinen Beruf gewissenhaft auszuüben und dem Vertrauen zu entsprechen, das ihm im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit entgegengebracht wird.
Tierphysiotherapeuten sind in der Ausübung ihres Berufes frei. Niemand ist berechtigt, die Art der Behandlung eines Tieres vorzuschreiben. Tierphysiotherapeuten können eine Behandlung ablehnen, wenn sie der Überzeugung sind, dass der betreffende Tierhalter seine Sorgfaltspflicht missachtet und ein Vertrauensverhältnis zwischen Therapeut und Tierhalter nicht besteht.
Der Tierphysiotherapeut sucht die Zusammenarbeit mit anderen Fakultäten wie z. b. Veterinärmedizinern, Tierheilpraktikern, Hufschmieden etc, sobald die fachliche Notwendigkeit der Konsultation gegeben ist und ist auch hier in der Ausübung seines Berufes frei.
Im Sinne einer guten Lesbarkeit des Textes haben wir uns entschlossen, auf die weibliche Form der Berufsbezeichnung zu verzichten und die Berufsbezeichnung Tierphysiotherapeut einheitlich für alle Berufsangehörigen zu verwenden.

§ 2 Schweigepflicht

Der Tierphysiotherapeut unterliegt der Schweigepflicht. Er hat über das, was ihm in seiner Eigenschaft als Therapeut anvertraut oder bekannt geworden ist, zu schweigen – auch über den Tod des Tieres hinaus. Dazu gehören auch schriftliche Mitteilungen des Tierhalters, Aufzeichnungen über das Tier und sonstige Untersuchungsbefunde. Der Tierphysiotherapeut ist zur Offenbarung befugt, soweit er von der Schweigepflicht entbunden worden ist oder soweit die Offenbarung durch Anzeigepflichten erforderlich ist.
Im Verhältnis zum behandelnden Tierarzt ist der Tierphysiotherapeut insoweit von der Schweigepflicht befreit, als das Einverständnis des Tierhalters vorliegt oder anzunehmen ist.
Der Tierphysiotherapeut hat seine Mitarbeiter - auch die nichttherapeutisch tätigen - über die gesetzliche Pflicht zur Verschwiegenheit zu belehren und dies schriftlich festzuhalten.
Unberührt von der Schweigepflicht bleiben Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, sowie die Pflicht zur Meldung von Seuchenkrankheiten nach dem Tierseuchengesetz.
Die Offenbarung eines Berufsgeheimnisses ist dann gerechtfertigt, wenn sie zur Erfüllung einer Rechtspflicht notwenig ist, oder das bedrohte Rechtsgut überwiegt. Auskünfte an Versicherungen sollen im Einvernehmen mit dem Tierhalter baldigst und nach besten Wissen und Gewissen gegeben werden.

§ 3 Aufklärung

Der Tierphysiotherapeut ist verpflichtet, den Tierhalter über Risiken aufzuklären, die aus der Therapie resultieren können. Dies gilt insbesondere dann, wenn eine Auswahl unter mehreren Therapieformen möglich ist.

§ 4 Fort- und Weiterbildung

Der Tierphysiotherapeut aktualisiert und erweitert durch regelmäßige Fortbildung seine fachliche und seine tiertherapeutisch-fachliche Kompetenz.
Wo Umfang oder spezielle Ausprägung der therapeutischen Aufgaben die in der Ausbildung erworbenen Basisqualifikationen erheblich übersteigen, erwirbt der Tierphysiotherapeut die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten in einer geregelten Weiterbildung.

§ 5 Zusammenarbeit

Arbeitet der Tierphysiotherapeut im interdisziplinären Team. gehört es zu seinen Aufgaben, den Stellenwert der tierphysiotherapeutischen Behandlung im gesamten Therapieplan zu bestimmen und zu vertreten, Informationen einzuholen und zu geben sowie mit anderen Teammitgliedern - und den Tierhaltern - loyal und konstruktiv zusammenzuarbeiten.
Der Tierphysiotherapeut vergewissert sich - insbesondere zu Behandlungsbeginn -, dass er alle notwendigen Informationen erhalten hat. Bei Unklarheiten der Verordnung oder bei Besonderheiten, die bei der Tierphysiotherapeutischen Untersuchung oder Behandlung auftreten, nimmt der Tierphysiotherapeut Kontakt zu dem behandelnden Tierarzt auf und bespricht mit ihm das weitere Vorgehen. Über Behandlungsverlauf und -ergebnisse wird der Tierarzt schriftlich oder mündlich informiert.
Gemäß des vom Tierphysiotherapeuten anerkannten Berufsethos vermeidet er in der Öffentlichkeit und insbesondere gegenüber dem Tierhalter herabsetzende Äußerungen über Kollegen oder Angehörige anderer Berufsgruppen ebenso wie über einzelne Therapiemaßnahmen. Hingegen fördert der Tierphysiotherapeut den kritisch-rationalen Diskurs mit Tierärzten und anderen an der Behandlung Beteiligten.
Zeugnisse und Gutachten sollen Tierphysiotherapeuten nach bestem Wissen und Gewissen ausfertigen. Zweck und Empfänger sind anzugeben.

§ 6 Haftpflichtversicherung

Der Tierphysiotherapeut ist verpflichtet, sich ausreichend gegen Haftpflichtansprüche aus seiner beruflichen Tätigkeit zu versichern oder versichern zu lassen.

§ 7 Tätigkeit im Angestelltenverhältnis

Tierphysiotherapeuten sollen nur Anstellungsverträge schließen, deren Inhalt nicht gegen die Grundsätze dieser Berufsordnung verstoßen.

§ 8 Ausübungsformen in freier Praxis

Der Tierphysiotherapeut übt seine Tätigkeit i.d.R. entweder mobil oder mit niedergelassener Praxis aus. Für die Führung einer niedergelassenen Praxis sind folgende Vorgaben einzuhalten:

  • Räumlichkeiten
  • Die Praxisräume sollen den allgemeinen hygienischen Anforderungen entsprechen. Die Unterhaltung weiterer Praxen (Zweigpraxen) ist im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen zulässig. Alle auf den Namen des Tierphysiotherapeuten angemeldeten und von einem Tierphysiotherapeuten geführten Praxen müssen dem Bundesverband gemeldet werden.
  • Praxisschilder/Fahrzeugbeschriftungen
  • Auf dem Praxisschild bzw. der mobilen Fahrpraxis ist mindestens anzugeben: - Die Bezeichnung Tierphysiotherapeut/in - Name des Tierphysiotherapeut/in
  • Hinweisschilder und Beklebungen dürfen Zusätze über akademische Grade, Titel, Sprechstunden und Telefonnummern enthalten. Ferner dürfen Hinweise über die Art der Tätigkeit bzw. der behandelten Tierarten enthalten sein, z.B. „Klein- und Großtiere“, „Manuelle Lymphdrainage“, „Akupunktur“, „Elektrotherapie“ und ähnliches.
  • Nicht zulässig sind hingegen Bezeichnung wie „Spezialist“, „Fachtierphysiotherapeut für…“, „Diplom-Tierphysiotherapeut“, „staatlich geprüfter Tierphysiotherapeut“ und ähnliches.
  • Dem Tierphysiotherapeuten als Angehörigem eines freien Berufes steht es frei, sich mit anderen Angehörigen der tiertherapeutischen Gesundheitsberufe als Personengesellschaft (Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder Partnerschaftsgesellschaft) oder in anderer gesellschaftsrechtlicher Bindung (Kapitalgesellschaft) zur gemeinsamen Berufsausübung zusammenzuschließen. Er stellt dabei sicher, dass er auch in der wirtschaftlichen Verbindung zu seinen Partnern oder Mitgesellschaftern zu jedem Zeitpunkt seine therapeutische Unabhängigkeit wahren kann.
  • Die Zusammenarbeit des Tierphysiotherapeuten mit Tierärzten ist ausschließlich von therapeutischen Überlegungen geprägt. Den Tierphysiotherapeuten ist es nicht gestattet, für die Zuweisung von Tieren ein Entgelt oder andere Vorteile zu versprechen oder zu gewähren.
  • Als Arbeitgeber bieten Tierphysiotherapeuten ihren Mitarbeitern keine Anstellungsverträge an, die gegen die Grundsätze dieser Berufsordnung verstoßen. Die Beschäftigten sind bei der Sozialversicherung anzumelden und die gesetzlichen Bestimmungen sind für sämtliche Mitarbeiter zu beachten.
  • Tierphysiotherapeuten müssen die Eröffnung ihrer Praxis anmelden:
  • Beim zuständigen Finanzamt
  • Beim Bundesverband
  • Bei der zuständigen Verwaltungsbehörde (sofern nötig)

§ 9 Honorierung in freier Praxis

Der Tierphysiotherapeut hat Anspruch auf eine Honorierung, die in angemessenem Verhältnis zu Art, Schwierigkeit und Umfang seiner Behandlung steht und in das auch die Qualifikation des Therapeuten sowie die eingesetzten Therapiehilfen einfließen.

§ 10 Werbung

Der Tierphysiotherapeut ist berechtigt, für seine berufliche Tätigkeit zu werben; er tut dies in zurückhaltender, nicht reißerischer Form und unterlässt jegliche anpreisende Heraushebung gegenüber Kollegen.
Eine sachliche Werbung in öffentlichen Medien mit Angaben zur Praxis wie Adresse, Praxiszeiten, Spezialisierungen unter Berücksichtigung der geltenden Gesetze und Verordnungen ist erlaubt.

§ 11 Arzneimittel

Tierphysiotherapeuten dürfen verschreibungspflichtige Arzneimittel nicht erwerben, anwenden oder abgeben. Apothekenpflichtige Arzneimittel dürfen nur in der Apotheke erworben und in der Ausübung der Praxis angewandt, aber nicht abgegeben werden. Der Umgang mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln muss bei Eröffnung der Praxis schriftlich der zuständigen Behörde angezeigt werden (§ 67 AMG). Außerdem muss über den Erwerb und den Verbrauch der apothekenpflichtigen Arzneimittel Nachweise geführt und auf Verlangen vorgelegt werden (§ 64 AMG, AATV). Tierphysiotherapeuten können freiverkäufliche Arzneimittel erwerben und anwenden, abgeben oder Handel damit treiben, wenn der Sachkundenachweis nach §50 AMG erworben wurde.

§ 12 Berufsaufsicht

Tierphysiotherapeuten unterstellen sich in ihrem eigenen Interesse und im Interesse des Berufsstandes der Aufsicht ihres Bundesverbandes. Vom Bundesverband aus gegebenen Anlass erbetene Auskünfte über Tätigkeit, Arbeitsweise und Heilerfolge sollen vom Tierphysiotherapeuten im Rahmen der Zumutbarkeit beantwortet werden.

Der Bundesverband bzw. dessen Beauftragte haben das Recht, sich über die ordnungsgemäße Berufstätigkeit des Tierphysiotherapeuten an Ort und Stelle zu unterrichten. Tierphysiotherapeuten verpflichten sich, Anordnungen ihres Bundesverbandes nachzukommen. Gegen Anordnungen, die nach Ansicht des Tierphysiotherapeuten ungerechtfertigt sind, kann sie/er beim zuständigen Organ des Bundesverbandes Beschwerde einreichen.

§ 13 Verstöße gegen die Berufsordnung

Verstöße gegen die Berufsordnung können im Wege eines ehrengerichtlichen und gerichtlichen Verfahrens geahndet werden. Vorher sollte der Versuch einer kollegialen Einigung vor dem zuständigen Gremium des Bundesverbandes unternommen werden. In einem solchen Verfahren kann darüber entschieden werden, ob ein Tierphysiotherapeut wegen beruflicher Untüchtigkeit aus dem Bundesverband ausgeschlossen werden soll.

Streitigkeiten in Berufsfragen zwischen Bundesverbandsmitgliedern können vom hierfür zuständigen Gremium entschieden werden. Der ordentliche Gerichtsweg ist damit nicht ausgeschlossen. Verstöße gegen die Berufsordnung können mit einem Bußgeld oder Ausschluss aus dem Verband geahndet werden.

Von Einleitung und Verlauf von Strafverfahren und Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen soll dem Bundesverband unverzüglich in aller Offenheit Mitteilung gemacht werden.

§ 14 Verbandssignet

Die Tierphysiotherapeuten, die Mitglied Bundesverbandes BZT sind, sind berechtigt, in ihrer beruflichen Tätigkeit das Signet des BZT zu verwenden, um somit anzuzeigen, dass sie Mitglied des BZT sind.

§ 15 Änderungen

Änderungen und Ergänzungen der Berufsordnung können nur vom Vorstand des Bundesverbandes zertifizierter Tierphysiotherapeuten einstimmig beschlossen werden.

§ 16 Inkrafttreten

Diese Berufsordnung wurde vom Bundesverband zertifizierter Tierphysiotherapeuten beschlossen und tritt am 20.04.2011 in Kraft.

Stand: 20.04.2011

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