Ausbildungsordnung

Verordnung über die Ausbildung
zum Hundephysiotherapeuten / zur Hundephysiotherapeutin
zum Pferdephysiotherapeuten / zur Pferdephysiotherapeutin
zum zertifizierten Tierphysiotherapeuten / zur zertifizierten Tierphysiotherapeutin
des Bundesverbandes zertifizierter Tierphysiotherapeuten BZT e. V.
Vom 20. April 2011

§ 1 Staatliche Anerkennung des Berufes

Der Beruf Tierphysiotherapeut / Tierphysiotherapeutin wird derzeit staatlich nicht anerkannt.

§ 2 Ausbildungsdauer

Die Ausbildung dauert in der Regel mindestens zwei Jahre. Die Ausbildungsdauer unterliegt keiner vorgegebenen Zeit, vielmehr endet sie, wenn alle erforderlichen Leistungsnachweise erbracht sind.

§ 3 Ausbildungsinhalte

Gegenstand der Ausbildung sind Kenntnisse und Fertigkeiten aus folgenden Bereichen:

  • medizinische Fachausdrücke
  • Umgang mit Hund und Pferd
  • Allgemeine Anatomie und Physiologie : Organsysteme von Pferd und Hund
  • Spezielle Anatomie: aktiver und passiver Bewegungsapparat
  • Pathologie
  • Geriatrie
  • Sofortmassnahmen bei Notfällen
  • Techniken und Anwendungen der Physiotherapie (Massagetechniken, Manuelle Lymphdrainage, Elektrotherapie, Magnetfeldtherapie, Lasertherapie, Hydrotherapie, Thermotherapie, Mobilisationstechniken, aktive und passive Bewegungsübungen)
  • Gangbildanalyse und Lahmheitsuntersuchung
  • Befunderhebung / Untersuchung
  • Hufkunde, Sattelkunde, Longenarbeit, Bodenarbeit, Reiteranalyse
  • Umgang mit dem Patientenbesitzer
§ 4 Berichtsheft

Der Auszubildende hat nach Vorgabe der ausbildenden Schule ein Berichtsheft in Form eines Ausbildungsnachweises zu führen. Die ausbildende Schule hat das Berichtsheft regelmäßig durchzusehen.

§ 5 Abschlussprüfung

Die Abschlussprüfung erstreckt sich auf die in § 3 aufgeführten Fertigkeiten und Kenntnisse. Eine Zwischenprüfung findet nicht statt.

Zur Abschlussprüfung können nur Auszubildende zugelassen werden, die alle erforderlichen Leistungsnachweise vorlegen können.

Die Anmeldung zur Abschlussprüfung hat schriftlich zu erfolgen. Die Anmeldung muss dem Berufsverband spätestens vier Wochen vor dem Prüfungstermin zugegangen sein.

Es wird eine Prüfungsgebühr von € 150,- erhoben. Die Prüfungsgebühr muss vor der Prüfung auf ein Konto des BZT’s eingegangen sein.

Die Prüfung besteht aus drei Teilen: 1. Anfertigung einer schriftlichen Facharbeit 2. Schriftliche Prüfung 3. Praktische Prüfung an Pferd oder Hund.

Die Abschlussprüfung wird vor einem vom Berufsverband zertifizierter Tierphysiotherapeuten eingerichteten Prüfungsausschuss abgelegt.

§ 6 Schriftliche Facharbeit

Der Umfang der Facharbeit sollte zwischen minimal 25und maximal 60 Seiten liegen. Eingefügte Bilder zählen als maximal 4 Seiten.

Die Facharbeit besteht aus Deckblatt, Inhaltsverzeichnis, Textteil, Literaturverzeichnis und der Ehrenwörtlichen Erklärung.

Die Seitenzählung der Arbeit beginnt mit dem Deckblatt. Das Deckblatt der Facharbeit kann frei gestaltet werden. Es muss enthalten: den Titel der Facharbeit und den Namen des Prüflings. Die zweite Seite enthält den Namen und die Adresse des Prüflings, den Namen der Schule, Angabe des Faches/Moduls und das Abgabedatum. Das Inhaltsverzeichnis enthält die Gliederungsstruktur der Facharbeit mit Angaben der Seitenzahl des jeweiligen Kapitelbeginns. Die Gliederungsstruktur kann entweder alphanumerisch: I., A., 1., a., aa. (nicht mehr als 5 Ebenen) oder dekadisch (Dezimal) sein: 1., 1.1, 1.1.1 ... 2.1.4.1 etc. (nicht mehr als 4 Ebenen) Die wesentlichen Bestandteile des Textteiles der Facharbeit sind: Einleitung (Erkenntnis leitende Fragen/Hypothesen), Hauptteil (strukturierte Ausarbeitung des gelesenen bzw. beobachteten Materials), Schluss (Ergebnisse zusammenfassen, Eingangsfragen beantworten, evtl. Verbesserungsvorschläge, persönliche Meinung).

Alle direkten Zitate müssen im Text als solche kenntlich gemacht werden, entweder mit Fußnoten oder in den Text integriert (am Schluss des Satzes/Absatzes in Klammern). Anzugeben sind Autor, Titel, Erscheinungsjahr, Seite. Direkte Zitate müssen in Anführungszeichen gesetzt werden. Indirekte Zitate müssen nicht als solche kenntlich gemacht werden, müssen aber wie direkte Zitate nachgewiesen werden.

Das Literaturverzeichnis ist alphabetisch nach Autoren- bzw. Herausgebernamen zu ordnen. Ist kein Autoren-/Hrsg.-Name vorhanden, dann ist der Beitrag mit seinem Titelanfang alphabetisch einzuordnen. Elektronische Quellen (Webseiten, CD-ROMs) sind in das Literaturverzeichnis zu integrieren.

Eine Ehrenwörtliche Erklärung mit dem Wortlaut “Hiermit erkläre ich gemäß der Prüfungsordnung, dass ich die vorliegende Arbeit mit dem Titel XXX selbständig verfasst, noch nicht anderweitig für Prüfungszwecke vorgelegt, keine anderen als die angegebenen Quellen oder Hilfsmittel benützt sowie wörtliche und sinngemäße Zitate als solche gekennzeichnet habe. Ort, Datum, Unterschrift“ ist der Facharbeit beizufügen.

Formatierung der Arbeit Schriftart: Arial und/oder Times New Roman. Schriftgröße: Normaler Text (Fließtext) Arial 10, Times New Roman 11. Überschriften Arial 12, Times New Roman 14. Rand: links Lochrand von 2,5 bis 3 cm, rechts Korrekturrand von 4 bis 4,5 cm Zeilenabstand: 1,5 Zeilen (anderthalbzeilig).

Die Facharbeit ist gebunden in doppelter Ausführung bis spätestens 4 Wochen vor dem gewählten Prüfungstermin abzugeben: ein Exemplar an die Schule, ein Exemplar an den Berufsverband.

§ 7 Schriftliche Prüfung Erster Teil: Multiple Choice

Der Multiple Choice Test umfasst 100 Fragen. Die Bearbeitungszeit beträgt 120 Minuten.

Fragen aus den Bereichen Anatomie, Physiologie, Pathologie und Therapieverfahren werden als Multiple Choice-Fragen oder Freifragen vorgelegt.

Bei den Multiple Choice-Fragen sind mindestens eine und bis zu 4 richtige Antworten möglich. Werden mehr oder weniger als die richtigen Antwortenmöglichkeiten angezeichnet, gilt die Frage als gesamt falsch beantwortet. Bewertungsschema: je richtige Antwort 1 Punkt.

Bei den Freifragen wird die zu erreichende Punktzahl angegeben. Die Beantwortung der Freifragen muss die geforderten richtigen Stichworte enthalten, die grammatikalische Form der Antwort (Satzbau bzw. Stichworte) wird bei der Bewertung nicht berücksichtigt.

Der Notenschlüssel orientiert sich am 100-Punkte-Schlüssel der IHK: erreichte Punktzahl 92- 100% der möglichen Punkte: sehr gut, Note 1 erreichte Punktzahl 81-91% der möglichen Punkte: gut, Note 2 erreichte Punktzahl 67-80% der möglichen Punkte: befriedigend, Note 3 erreichte Punktzahl 50-66% der möglichen Punkte: ausreichend, Note 4 erreichte Punktzahl unter 50%: nicht bestanden

§ 8 Schriftliche Prüfung Zweiter Teil: Schriftliche Ausarbeitung eines Krankheitsbildes bzw. eines Therapieplanes

Die Bearbeitungszeit beträgt 180 Minuten.

Anhand aufgeführter Leitfragen ist ein Krankheitsbild oder ein Therapieplan schriftlich auszuarbeiten.

Die Bewertung erfolgt anhand enthaltener geforderter Stichworte.

Die Benotung orientiert sich ebenfalls am 100-Punkte-Schlüssel der IHK (s. § 7 (5)).

§ 9 Praktische Prüfung am Tier

Die Prüfzeit beträgt i. d. R. 30 Minuten je Prüfling.

Die Prüfung findet entweder am Pferd oder am Hund statt. An welcher Tierart der Prüfling die praktische Prüfung abzulegen hat, wird per Los entschieden.

Die praktische Prüfung kann folgende Themenbereiche umfassen: Spezielle Anatomie: aktiver und passiver Bewegungsapparat Pathologie Geriatrie Sofortmaßnahmen bei Notfällen Techniken und Anwendungen der Physiotherapie und deren Kontraindikationen Gangbildanalyse und Lahmheitsuntersuchung Befunderhebung / Untersuchung, Halterbefragung Umgang mit dem Patientenbesitzer.

Sie überprüft, ob Befunderhebung bzw. Untersuchung und Halterbefragung selbstständig, eigenverantwortlich und gewissenhaft durchgeführt und Therapiearten korrekt angewandt werden können. Sollte dies nicht der Fall sein, gilt die praktische Prüfung als nicht bestanden.

§ 10 Bestehen der Abschlussprüfung

Die Abschlussprüfung gilt als bestanden, wenn im Gesamtergebnis und im Durchschnitt der Prüfungsergebnisse der einzelnen Prüfungsteile mindestens ausreichende Leistungen erbracht werden. Werden die Prüfungsleistungen in mindestens einem Prüfungsteil mit ungenügend bewertet, so ist die Prüfung nicht bestanden und. Der einzelne Prüfungsteil kann dann wiederholt geprüft werden. Insgesamt kann die Prüfung bzw. Prüfungsteile zweimal wiederholt werden.

§ 11 Prüfungsausschuss

Der Prüfungsausschuss besteht aus ein bis zwei ordentlichen Mitgliedern des Berufsverbandes zertifizierter Tierphysiotherapeuten.

Darüber hinaus müssen die Mitglieder des Prüfungsausschusses für die Prüfungsgebiete sachkundig und für die Mitwirkung im Prüfungswesen geeignet sein.

Die Mitglieder werden vor der Prüfung vom Vorstand des Berufsverbandes zertifizierter Tierphysiotherapeuten berufen.

§ 12 Prüfungstermine

Der Berufsverband zertifizierter Tierphysiotherapeuten bestimmt nach Absprache mit den ausbildenden Schulen die für die Durchführung der Prüfung maßgeblichen Termine und Prüfungsorte.

§ 13 Änderungen

Änderungen und Ergänzungen der Berufsordnung können nur vom Vorstand des Bundesverbandes zertifizierter Tierphysiotherapeuten einstimmig beschlossen werden.


 

Appendix A

Gegenstand der Ausbildung sind Kenntnisse und Fertigkeiten aus folgenden Bereichen:

  • Allgemeine Anatomie
  • Allgemeine Osteologie
  • Allgemeine Gelenklehre: Fugen, synoviale Gelenke, Gelenkflüssigkeit, Hilfseinrichtungen der Gelenke
  • Allgemeine Myologie
  • Zentralnervensystem, peripheres und autonomes Nervensystem
  • Herz-Kreislaufsystem
  • Blutkreislaufsystem
  • Atmungssystem
  • Sinnesorgane
  • Immunorgane, Lymphsystem
  • Physiologie, endokrine Drüsen
  • Topographische Anatomie
  • Anatomische Nomenklatur
  • Spezielle Anatomie
  • Spezielle Osteologie: Schädel, Skelett des Stammes, Skelett der Gliedmaßen
  • Spezielle Gelenklehre: Gelenke des Kopfes, der Wirbelsäule, des Brustkorbs und der Gliedmaßen
  • Spezielle Myologie: äussere und innere Körperfaszien, Muskeln des Kopfes, Muskeln des Stammes
  • Muskeln der Gliedmaßen
  • Pathologie des aktiven und passiven Bewegungsapparates
  • Pathologie Muskeln
  • Pathologie Sehnen und Bänder
  • Pathologie des Respirationstraktes
  • Pathologie der Verdauungsorgane
  • Geriatrie
  • Multimorbidität
  • Schmerzmanagement
  • Gewichtsmanagement
  • Ernährung
  • Techniken/Anwendungen der Physiotherapie
  • Grifftechniken in der klassischen Massage
  • Magnetfeld/Laser/therapeutischer Ultraschall
  • Elektrotherapie
  • Hydro- und Thermotherapie
  • Praxisorientierte Umsetzung am Tier
  • Körperbau und Fortbewegung bei Hund/Pferd, biomechanische Grundlagen
  • Klassische Massage Hund/Pferd
  • Lymphdrainage Hund/Pferd
  • Stresspunkt-Therapie Hund/Pferd
  • Passive Bewegungstechniken Hund/Pferd
  • Aktive Bewegungstechniken Hund/Pferd
  • Weichteilmobilisation Hund/Pferd
  • Gelenkmobilisation Hund/Pferd
  • Erste Hilfe Hund/Pferd
  • Untersuchungsverfahren Hund/Pferd
  • Sattelkunde
  • Hufkunde
  • Bodenarbeit
  • Doppellonge
  • Verhaltenspsychologie Hund/Pferd
  • Physiotherapeutische Therapie/Therapiepläne/Dokumentation
  • Praxismanagement
  • Kaufmännische Grundlage
  • Steuerrechtliche Aspekte
  • Der Weg in die Selbständigkeit
  • Marketing

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